Der Bildhauer Berthold Müller-Oerlinghausen hat 1923 zusammen mit seiner Frau Jenny Müller-Wiegmann die St. Antonius-Kapelle künstlerisch gestaltet. Es war ihr erster kirchlicher Auftrag. Beide hatten kurz vorher durch die Begegnung mit Pfarrer Dr. Karl Sonnenschein in Berlin zur katholischen Kirche gefunden. Freundschaftlich verbunden stand damals den beiden Künstlern beratend zur Seite der junge Franziskanerpater Kilian Kirchhoff. Er betreute nach seiner Priesterweihe von Paderborn aus mit anderen Franziskanerpatres die kleine Oerlinghauser Gemeinde. Die drei Freunde hatten die gleiche Begeisterung für die frühchristliche und die ostkirchliche Kunst, deren Einflüsse in ihren Arbeiten dieser Jahre deutlich spürbar sind. Aus der in dieser Kapelle entstandenen Freundschaft und dem Künstlerkreis, in den Müllers den jungen Pater einführten, erhielt Pater Kilian die entscheidenden Impulse für sein 10-bändiges Lebenswerk "Die Ostkirche betet". Er starb unter dem Fallbeil der Nazihenker am 24. April 1944.

Auf Initiative des Ehepaares Josef und Anna Wörner hatte die noch nicht 15 Familien zählende katholische Gemeinde 1922/23 mitten in der Inflationszeit unter großen persönlichen Opfern die Kapelle gebaut und unter den Schutz des hl. Antonius von Padua gestellt, wohl in Erinnerung daran, dass im Mittelalter auf dem Tönsberg bei Oerlinghausen die Antoniusklause gestanden hat (die dem hl. Antonius dem Einsiedler geweiht war). Die Gemeinde blieb in den zwanziger und dreißiger Jahren klein, bis im 2.Weltkrieg viele Katholiken aus dem Rheinland und Ruhrgebiet nach Oerlinghausen evakuiert wurden und einen eigenen Seelsorger mitbrachten: Herrn Rektor Franz Jansen aus Köln (Dezember 1944 - August 1946). Er war nach der Reformation der erste in Oerlinghausen wohnende katholische Geistliche. Nach Kriegsende konnten die Evakuierten heimkehren, aber seit 1946 folgten ihnen viele hundert katholische Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem deutschen Osten. Sie fanden nach dem Verlust der Heimat in der Antoniuskapelle ein Stück Heimat wieder. Die Gemeinde wuchs auf über 1.000 Katholiken an und jeden Sonntag war die Kapelle zweimal überfüllt, oft standen die Besucher bis auf die Straße. Im Herbst 1952 stürzten große Teile der Kapellendecke ein. Das wurde zum Startzeichen für die Planung einer größeren Pfarrkirche St. Michael, die im Herbst 1955 eingeweiht wurde.

Die Antoniuskapelle sollte danach zu einem Jugendheim umgebaut werden. Deshalb wurde eine Flachdecke eingezogen, die teils beschädigten Stuckornamente entfernt und die Fresken (Darstellung im Tempel und Taufe Jesu) übermalt. Da mit der Pfarrkirche ein Jugendheim errichtet wurde, konnte 1963 der Kapellenraum in seiner ursprünglichen Innengestaltung wieder hergestellt werden. 1975 machten starke Feuchtigkeitsschäden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig. Viele Freiwillige halfen bei der Kultivierung der Außenanlagen und des kleinen Friedhofs. Am 13. Juni 1975 konnte die Kapelle mit einem Festgottesdienst wieder in Gebrauch genommen werden. Bei der geplanten Neueindeckung des Daches wurde 2000 ein starker Befall des Dachstuhles durch den Holzbock festgestellt. Im Zuge der Dacheindeckung wurde die Kapelle innen und außen komplett saniert. So erhielt die Kapelle eine Heizungsanlage, die der Gemeinde die Möglichkeit gibt, sie zu regelmäßigen Gottesdiensten zu nutzen. 2004 wurden Vorplatz und Hügel neben der Kapelle neu gestaltet. Ein großzügig angelegter Aufgang erleichtert in Rampenform mit nur neun Stufen den Zugang zum "Baumdom". Durch umfangreiche Erdarbeiten ist hier ein Gottesdiensraum im Freien entstanden. Die Steine für den Altar und den Priestersitz stammen aus der früheren Leopoldshöher Kirche.

Am 3. Juli 2009 konnte S.E. Weihbischof Matthias König den Tabernakel in der Kapelle einweihen, der mit den alten, vorhandenen Türen ausgestattet, von Adolph Vössing aus Jakobsberg mit einer Leuchterbank, einer Kredenz, einem Ambo, einem ewigen Licht und einem Weihwasserbecken neugeschaffen wurde. Mit dem Tabernakel und dem eucharistischen Heiland hat die Kapelle nun ihre Mitte wieder: Jesus Christus. IHN zeigt uns die Gottesmutter aus der Apsis, ER thront am Kreuz über dem Tabernakel, ER wohnt im Tabernakel und wird wieder und wieder gegenwärtig auf dem Altar.


Außen

Türfüllung oben:












Marienmonogramm
Christusmonogramm











Türfüllung Mitte:











Über dem Schlüsselloch: Christusmonogramm, Christus sagt: "Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden." (Joh 10,9)
Baum des Paradieses
Baum des Kreuzes










Türfüllung unten:












Anno
Jahreszahl




Tympanon über der Tür:
Tympanon über der Tür: Christus als Weltenrichter. Zur einen Seite der Gerichtsengel mit der Posaune, zur anderen der Engel mit dem Buch des Lebens. auf dem geschrieben steht: bona opera homium (die guten Taten der Menschen). Im Giebelfeld der Kapelle die Figur ihres Schutzpatrons, des hl. Antonius von Padua.


Innen

Innen (über dem Altar): Die Muttergottes mit dem Kind symbolisieren gleichzeitig die "ecclesia" (die Kirche), die der Welt Christus zeigt. Christus wird dargestellt als König der Könige (der goldene Gürtel) und als Priester in Ewigkeit (Stola).

St. Benedikt, Vater des Abendlandes. (Das Künstlerehepaar verdankte vieles dem Benediktinerabt Ildefons Herwegen aus Maria Laach und dem Geist dieser Abtei).

St. Franziskus, der Erneuerer der Kirche. Über der Halbkugel der Chorabsis in den Zwickeln schweben von beiden Seiten zwei Weihrauch schwenkende Engel heran. Ihre Verehrung gilt dem Christusmonogramm über dem Scheitelpunkt des Spitzbogens. (Zu seinen "Brüdern" gehörte auch Pater Kilian Kirchhoff).

Das Mosaik der "Drei Jünglinge im Feuerofen" am Altar, die Friese und die Pilaster im Altarraum zeigen starke Anregungen von den Kirchen in Ravenna sowie Monreale und der byzantinischen Kunst. An zwei der Kapitelle, der sich im Altarraum befindlichen Säulen finden sich, wie es die Initialen verraten, die Apostelfürsten Petrus und Paulus dargestellt.


Die Metallreliefs

Rechts:
Eine nicht alltägliche Darstellung der Verkündung des Erzengels Gabriel an Maria. "Der hl. Geist wird über dich kommen" (Lk 1, 35)

Links:
Jesus versucht an Hand des Zimmermanndreiecks seinem Pflegevater Josef das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu erklären, der es aber wohl nicht begreift.
Ein Band mit Schrifttexten durchzieht die ganze Kapelle mit Worten der hl. Schrift: Frieden hinterlasse ich euch, (Joh 14, 27)

"Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. (Joh 14, 23 - 24)

Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.(Joh 6, 55 - 56)
Da sagte Maria: Meine Seele preist voll Freude den Herrn, mein Geist ist voll Jubel über Gott, meinem Retter (Luk 1, 46 - 47)