Leopoldshöhe – St. Johannes (2000- 2018)

Foto: privat, 2008

Im Frühjahr 2018 mußten wir Abschied nehmen von der Kirche St. Johannes in Leopoldshöhe. Die Kirche wurde abgerissen.

 

Lange hatten die katholischen Gemeindemitglieder in Leopoldshöhe auf den Bau einer eigenen Kirche gewartet. 1996 konnte in der Ortsmitte an der Herforder Straße ein Grundstück erworben werden, im Jahr 2000 der Grundstein gelegt, und am 30. Juni 2002 die neue St. Johanneskirche von Weihbischof Paul Consbruch geweiht werden. Sie gehörte zu den modernsten Kirchenbauten im Erzbistum Paderborn. Die neue Kirche übernahm das Patrozinium der alten „Notkirche“, die nach dem zweiten Weltkrieg, 1949, in einem alten Wirtshaussaal eingerichtet worden war und bis dahin den Gläubigen eine Heimat geboten hatte. Diese alte Kirche war 1987 durch einen Brand unbrauchbar geworden, so daß sich der Kirchenvorstand der Pfarrei St. Michael in Oerlinghausen, zu der Leopoldshöhe gehört, zu einem Kirchneubau entschieden hat. Auf einem leicht nach Norden abfallenden Rasengrundstück war in Ost-West-Richtung aus zwei geschwungenen Betonschalen ein Kirchenschiff entstanden (120 Sitzplätze), das mit leichten Glaselementen und einer zentralen Oberlichtverglasung einen nach oben offenen Kirchenraum bildete, der an ein Schiff, an eine „Arche“, oder an die Schalen eines Samenskorns erinnerte, das aufbricht und Frucht trägt. Zu diesem dynamischen Charakter des Gottesdienstraumes, standen die scharfkantigen Baukörper des Glockenturmes in der Querachse und des angegliederten Pfarrheimes in spannungsvoller Wechselwirkung. 

 

Im Jahr 2008 – nach Ablauf der Gewährleistungsfristen – zeigten sich die ersten Mängel an der Kirche: an der Oberlichtverglasung bildete sich Kondenswasser. Ab 2010/11 wurde die Fassade allmählich von Algen, Pilzen und Flechten besiedelt, so daß die Kirche und später auch das Pfarrheim, die strahlend weiß gewesen waren, zunehmend unansehnlicher wurden. Im Oktober 2014 mußte die Kirche wegen Schimmelbefall auf der abgehängten Holzdecke geschlossen werden. Ein bauphysikalisches Gutachten, das im Jahr 2016 durchgeführt worden war, offenbarte massive Baumängel in verschiedenen Bereichen der Kirche: kalte Luft strömte durch Leckagen zwischen Dach- und Pfostenriegelkonstruktion in die Decke ein und führte dort zu Taupunktunterschreitungen. Das Zinkdach mit Horizontalfalz war ohne Luftschicht auf die wasserführende Bitumenschicht aufgelegt worden. Fehlende Dachüberstände führten zur Durchnässung und zum Algenbefall der Sichtbetonfassade, Farbabplatzungen und Oberflächenrisse bildeten sich. In die Scheiben der zentralen Oberlichtverglasung drang Feuchtigkeit ein.

 

Die Kosten für eine Renovierung hätten sich auf ca. eine halbe Million Euro belaufen. Eine dauerhafte Instandsetzung wäre nicht möglich gewesen ohne Eingriff in den urheberrechtlichen Entwurf und in die Dachkonstruktion.

Das Bistum war bereit, eine Renovierung im Rahmen der üblichen Förderquoten zu unterstützen, die Kirchengemeinde konnte aber den Eigenanteil an einer Baumaßnahme nicht mehr aufbringen. Spenden gingen nicht mehr ein.

 

Auch das Gemeindeleben hatte sich in den letzten Jahren stark verändert. Der Gottesdienstbesuch und das kirchliche Leben waren insgesamt zurückgegangen, so daß sich die Frage nach dem langfristigen Gebäudebedarf stellte. 

Ideen zur Erhaltung der Kirche wurden nicht aufgegriffen bzw. waren nicht erfolgreich (Bildung eines Förder- und Trägervereins, Zusammenschluß der Kirchengemeinden zur einer Gesamtpfarrei).

 

Im August 2016 hat der Kirchenvorstand schließlich die Entscheidung getroffen, die Kirche aufzugeben und den Bischof um Profanierung der Kirche gebeten. Diese ist mit Urkunde vom 17.11.2016 erfolgt. 

Im Juni 2017 erteilte das Erzbischöfliche Generalvikariat und im September 2017 der Kreis Lippe die Genehmigung zum Abbruch der Kirche und des Pfarrheims.

 

Im Jahr 2017 konnten die Glocken – eine Spende der Dr. Oetker-Stiftung Bielefeld -, die Orgel und die Einrichtungs- und Kunstgegenstände der Johanneskirche in andere Kirchen in Westfalen vermittelt werden. 

 

Da der Rückbau einer Kirche im Ortmittelpunkt auch städtebaulich einen gewaltigen Einschnitt bedeutet, ist der Kirchenvorstand Anfang 2017 auf die Kommune zugegangen, um mit dem Bürgermeister und der Verwaltung die Nachnutzung des Kirchengeländes zu besprechen. 

 

Gemeinsam ist daraus die Idee entstanden, auf dem freiwerdenden Grundstück ein Mehrgenerationenwohnprojekt für alte und junge, behinderte und nichtbehinderte Menschen zu verwirklichen nach Art des mehrfach ausgezeichneten Pöstenhofes in Lemgo. 

Der „Johanneshof Leopoldshöhe“ wird in den nächsten Jahren dort entstehen und durch den Namen ein Stück weit auch die Erinnerung an den ehemaligen Kirchort bewahren. 

 

Die Bilder vom Abbruch der Kirche im Februar/März 2018 waren für die Menschen in Leopoldshöhe schwer zu verkraften. Als Kirchengemeinde trauern wir mit den Menschen vor Ort um die Johanneskirche.  

 

Als Erinnerung bleibt uns ein Bild (Foto privat, 2008) von einem kühnen Kirchbau, der den Menschen für eine kurze Zeit Heimat geboten hat.